Die Beerdigung war für Freitag den 01.Juli 2005 geplant. Von Anfang an war für uns klar, daß wir diesen Tag im allerengsten Familienkreis verbringen möchten. Leider haben es einige Menschen nicht verstanden und fühlten sich dadurch vor den Kopf gestoßen...

Zunächst wollten wir nur unsere einzige Oma dabei haben, baten dann aber noch meine Schwester und ihren Mann dazu, da unsere beiden Jungs ein sehr vertrautes Verhältnis zu ihnen haben. Sie sollten sich um die beiden kümmern, wenn sie die Beerdigung nicht aushalten könnten, denn wir wären in dem Moment nicht stark genug dafür gewesen.

Es war ein bewölkter Tag und auf dem Weg zur Kapelle fing es leicht zu regnen an. Sogar der Himmel hat mit uns geweint. Um 10 Uhr gingen wir in einen kleinen geschmückten Raum in der Friedhofskapelle. In der Mitte stand der kleine Sarg und im Halbkreis herum waren die Stühle gestellt. Der Blumenschmuck war wunderschön, aber da stach es mir wie ein Dorn in`s Auge: Auf der Schleife mit unseren Namen stand Jaris statt Joris. Warum musste in so einem schweren Moment auch noch etwas schief gehen? (Der Florist hat sich später für seinen Fehler entschuldigt, die Schleife erneuert und einen kleinen Blumenstrauss spendiert.) Jascha und Joris drängten sich fest an uns und wir hielten uns alle an den Händen.

Der Pastor sprach folgende Worte:

"Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus.

Wir müssen Abschied nehmen von Jaro Jolai. Wir fragen, warum sein Leben so früh zu Ende gehen musste. Wir können es nicht begreifen, verstehen Gott nicht und möchten doch glauben, daß nur er es ist, der helfen kann. Darum beten wir mit Psalm 77:

Ich rufe zu Gott und schreie um Hilfe, zu Gott rufe ich und er erhört mich. In der Zeit meiner Not suche ich den Herrn. Meine Hand ist des Nachts ausgestreckt und lässt nicht ab, denn meine Seele will sich nicht trösten lassen. Wird denn der Herr auf ewig verstossen und keine Gnade mehr erweisen? Ist´s denn ganz und gar aus mit seiner Güte, und hat die Verheissung für immer ein Ende? Hat Gott vergessen gnädig zu sein, oder sein Erbarmen im Zorn verschlossen? Ich sprach: Darunter leide ich, dass die rechte Hand des Höchsten sich so ändern kann. Darum denke ich an die Taten des Herrn, ja ich denke an deine früheren Wunder und sinne über all deine Werke und denke deinen Taten nach. Gott dein Weg ist heilig. Wo ist ein so mächtiger Gott, wie du, Gott, bist? Amen

Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben in der kommenden Welt. In dieser Hoffnung bringen wir Jaro zu seiner Ruhestätte.

Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit. Amen"

Nun spielte die Orgel das Lied "Weißt du wieviel Sternlein stehen". Kurz vor Ende des Liedes kamen die Träger und trugen den Sarg zur Grabstelle. Es ist nur ein kurzes Stück bis zur Grabstelle, aber es kam mir unendlich lang vor. Wir gingen mit unseren Kindern an der Hand langsam hinterher. Am Grab angekommen wurde der Sarg langsam herabgelassen. Es tat unendlich weh dazustehen und zuzugucken wie unser Sohn, den wir nie im Arm gehabt haben in die kalte Erde gelassen wurde.

Der Pastor sprach nun wieder:

" Jesus hat den Kindern seine besondere Liebe geschenkt. Math schreibt:

Zu derselben Stunde traten die Jünger zu Jesus und fragten: Wer ist der Grösste im Himmelreich? Jesus rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie und sprach: Wahrlich ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder so werdet ihr nicht in´s Himmelreich kommen. Wer nun sich selbst erniedrigt und wird wie dieses Kind, der ist der Grösste im Himmelreich. Seht zu, dass ihr nicht einen von diesen Kleinen verachtet.

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Wir müssen das Unbegreifliche zur Kenntnis nehmen, dass Jaro das Licht dieser Welt nicht erblickt hat. Er hat seine Familie nie gesehen. Sicherlich hat er sie gehört. Aber seine Familie kennt ihn und wird ihn in liebevoller Erinnerung behalten. Und es gibt mehr als das, was wir hier sehen und erleben. Gottes Herrlichkeit ist nicht dem Tod unterworfen.

Darum sagt Paulus:

Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. Es wir gesät in Unehre und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Schwachheit und auferstehen in Kraft. Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib.

Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub.

Wir geben Jaro un die Hand des guten Vaters im Himmel. Er kennt die seinen, niemand wird sie aus seiner Hand reissen und sie werden das ewige Leben haben. Wir hoffen auf Christus. Er schenke Jaro ein Leben in seiner Herrlichkeit."

Jetzt traten auch wir an das Grab und verabschiedeten uns endgültig... Jeder hatte ein kleines Rosensträusschen für Jaro und warf es zu ihm in´s Grab. Mein Mann, Jascha, Joris und mein Schwager gaben noch Erde dazu. Anschliessend beteten wir noch gemeinsam so gut es noch ging:

"Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen, denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

Der Herr segne euch und behüte euch. Der Herr lasse leuchten sein Angesich über euch und sei euch gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch, und gebe euch seinen Frieden. Amen"

Mit diesen Worten verabschiedete sich der Pastor. Wir blieben noch eine Weile am Grab stehen, bevor wir dann nach Hause fuhren. Während der Fahrt klarte der Himmel langsam auf und die Sonne kam heraus.

 

Wer am Ende ist, kann von vorn anfangen,

denn das Ende ist der Anfang von der anderen Seite.

 

 

 

 



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